Aus Schülern werden Lernende

So können wir Jugendliche beim Lehrstart unterstützen

Der Lehrstart ist für die Jugendlichen ein grosser Schritt in Richtung erwachsen werden. Sie müssen nicht mehr jeden Tag zur Schule gehen, sondern auch in die Arbeit: Eine Arbeit, die sie selbst gewählt haben, wohlgemerkt. Sie verdienen auch das erste eigene Geld. Und sie tragen damit eine neue Verantwortung. Es ist auf jeden Fall eine Veränderung zum Schulalltag. Allerdings ist dieser Übergang in die Lehre nicht immer leicht, denn Arbeitgeber erwarten eine andere Art von Leistung, als die Lehrer in der Schule. Der Arbeitsalltag kann für Jugendliche auch sehr fordernd sein, besonders wenn sie, zum Beispiel in handwerklichen Berufen, körperliche Arbeit leisten. So kommt eine neue Müdigkeit und eine eventuelle Frustration darüber hinzu. Unter anderem aus diesen Gründen kann der Lehrstart eine Herausforderung für Jugendliche darstellen.

Deshalb ist es wichtig, Jugendliche in gewisser Weise auf die Lehre vorzubereiten, damit sie wissen, was sie erwartet. So können sie mit der neuen Situation besser umgehen und erfolgreich in ihrer Ausbildung sein. Besonders die folgenden Punkte möchten wir hervorheben und näher erklären: Arbeitswille, Respekt und Verantwortung. 

Arbeitswille beim Lehrstart und in der Lehre

Die Lehre besteht zum einen aus Zeit in der Berufsschule und zum anderen aus Arbeit beim Betrieb. Gerade bei letzterem ist der Arbeitswille oder die Motivation der Jugendlichen essentiell. Hier lassen sie sich nicht nur von Unterrichtsstoff “berieseln”, sondern müssen auch anpacken und Aufgaben selbständig erledigen. 

Gerade beim Lehrstart sind diese Aufgaben vielleicht noch nicht das, was sie sich von dem gewählten Lehrberuf erwartet haben. Denn, wenn man neu in einem Betrieb ist, muss dieser auch erstmal Vertrauen fassen, um dem Jugendlichen mit der Zeit grössere Aufgaben anzuvertrauen. Das erreicht man allerdings nur, wenn man auch die ersten kleineren Aufgaben mit Engagement und Wille erledigt. 

Auf dieses Thema kann man Jugendliche auch schon vor Beginn der Lehre ansprechen. Das kontrolliert eventuelle Erwartungshaltungen, damit eine eventuelle Enttäuschung und Frust ausbleiben. Man kann einem Jugendlichen erklären, dass man sich durch gezeigten Arbeitswillen, auch bei den ersten Aufgaben, immer weiter “hoch arbeiten” kann. Dadurch kommen dann immer neue, spannende Aufgaben, durch die man wieder frische Motivation gewinnt.

Respektvoller Umgang mit Kollegen und Kunden im Lehrbetrieb

Ganz wichtig beim Lehrstart ist ein respektvoller Umgang mit Arbeitskollegen und besonders mit Kunden. Kollegen bei der Arbeit sind nicht unbedingt so zu behandeln wie “Kollegen” oder Mitschüler aus der Schule, ausser es handelt sich auch um Lernende. Die Kollegen am Arbeitsplatz sind das bereits durchlaufen, was der oder die Jugendliche nun vor sich hat, haben daher mehr Erfahrung und verdienen so einen gewissen Respekt. Sie können Jugendliche auch bei Aufgaben unterstützen oder bei Fragen aushelfen, aber das tun sie noch viel lieber, wenn sie ein respektvolles, freundliches Gegenüber haben. Besonders das wäre ein Argument, welches man Jugendlichen beim Start in die Lehre mitgeben kann, um sie an gute Umgangsformen zu erinnern. 

Ähnlich aber noch etwas kritischer schaut es aus, wenn Jugendliche in der Lehre einen direkten Umgang mit Kunden haben, zum Beispiel in der Beratung, im Verkauf oder in der Betreuung von Patienten. Hier werden ein respektvoller Umgang, Geduld und Höflichkeit gross geschrieben. Das sind Eigenschaften, die manche Jugendliche schon von Natur aus mitbringen und andere noch ein wenig verfeinern müssen. Man muss sich klar sein, dass man vor Kunden den Betrieb präsentiert und deshalb einen guten Eindruck hinterlässt und gegebenenfalls die eigenen Interessen hinter die des Betriebes stellt. Auch dieses Thema gehört angesprochen, sodass der erste Kundenkontakt ein Erfolg wird.

Verantwortung ab Lehrstart ernst nehmen

Jugendliche tragen ab dem Beginn der Lehre eine neue Art der Verantwortung. Diese ist zum einen damit verbunden, dass sie eine gewisse Leistung für den Betrieb bringen sollten und zum anderen, mit dem vorherigen Thema Respekt, dass sie den Betrieb verantwortungsvoll gegenüber externen Personen präsentieren. Bestimmte Tätigkeiten erfordern ausserdem Hygiene- oder Sicherheitsmassnahmen, die eingehalten werden müssen. Hier geht es nicht nur um das eigene Wohl, sondern auch das der Anderen.

Jugendlichen sollte daher folgendes vor Augen geführt werden, wenn es Probleme gibt: Mit der Aufnahme von Lernenden investiert ein Lehrbetrieb Zeit und Ressourcen in junge Menschen. Der Betrieb gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu entwickeln und einen Lehrberuf zu erlernen. Durch ihre Bewerbung wurden sie speziell für eine Lehrstelle ausgewählt, da der Betrieb ein Potenzial in ihnen erkannt hat. Diese Möglichkeit bekommen nicht alle Jugendlichen. Daher bedarf es einem Level an Verantwortung seitens des Jugendlichen, sowie Motivation und Gewissenhaftigkeit, um diese Chance zu nutzen und ihre Lehre erfolgreich abzuschliessen.


Die drei Punkte Arbeitswille, Respekt und Verantwortung kann man im vorhinein mit Jugendlichen angehen, sei es als Lehrer in der Schule oder als Elternteil zu Hause. Alternativ kann man sie auch bei Problemen in der Lehre behutsam ansprechen. Wichtig ist, dass die Kommunikation beidseitig ist und nicht als Vorwurf wahrgenommen wird. Schliesslich ist die Lehre nicht nur für Jugendliche eine neue Situation, sondern vielleicht auch für die betreuenden Erwachsenen und Eltern.

Da bedarf es bei Problemen von jeder Seite Verständnis, Geduld und, hier sind wir wieder beim Punkt, Respekt. Für gemeinsames Verständnis empfehlen wir auch Eltern, sich über die Lehrberufe und Anforderungen zu informieren. So wissen sie, was Lernende im Arbeitsalltag leisten. Zu allen Lehrberufen geht es hier.

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